Nach der Gründung 1959 konnte im Jahre 1963 die ganze Anlage zur Zuckerherstellung in Betrieb genommen werden. Nach langen Jahren der Selbständigkeit schloss sich Frauenfeld im Jahre 1997 mit der andern Zuckerfabrik in Aarberg zu einer neuen Aktiengesellschaft mit der Bezeichnung ZAF (Zuckerfabriken Aarberg + Frauenfeld) zusammen. Diese beiden Fabriken verarbeiten gemeinsam alle in der Schweiz angebauten Zuckerrüben. In Frauenfeld werden 48% der Rüben durch die Bauern und 52% durch Bahntransport angeliefert. In der 90-tägigen Kampagne (etwa Mitte September bis Mitte Dezember) werden in Frauenfeld täglich 10'000 Tonnen Zuckerrüben im Dreischichtenbetrieb rund um die Uhr verarbeitet, was die temporäre Erhöhung des Angestellten-Bestandes von normalerweise 118 um weitere etwa 50 Arbeitskräfte bedingt. Tagsüber werden die von den Bauern angelieferten Zuckerrüben verarbeitet, während die täglich in mehreren Zugswagen eintreffenden Rüben erst in den Nachtstunden zur Verarbeitung gelangen.

zaf10.jpg

Während der rund zweistündigen Führung wurden die beiden Gruppen durch die riesigen Hallen der Zuckerfabrik geführt, wo wir dann mit dem ganzen Werdegang, von der Rübe bis zum Weisszucker, vertraut gemacht wurden. Mit einem starken Wasserstrahl werden die im Freien gestapelten Zuckerrüben zuerst in einen Kanal zur Reinigung geleitet. Nach der gründlichen Reinigung kommen die mittlerweile zu Schnitzel verarbeiteten Rüben in grosse Behälter und werden unter Zugabe von heissem Wasser entzuckert. Durch Zugabe von Kalkmilch und Kohlensäuregas erfolgt die Ausfällung der Nicht-Zuckerstoffe. Der nun sauber gereinigte und filtrierte Dünnsaft wird in der Dampfstation zu Dicksaft von 70 % Trockensubstanz eingedickt und in den Kochapparaten unter Vakuum kristallisiert. Nach der Kristallisierung werden die Zuckerkristalle und die Melasse in Zentrifugen mit grosser Umdrehungsgeschwindigkeit von einander getrennt. Die Melasse dient nun als Grundlage für die Herstellung von Backhefe und Mischfutter. Die getrennten Zuckerkristalle werden anschliessend getrocknet, etwa 1500 Tonnen täglich, und schliesslich als Weisszucker in den drei Silos mit einer Kapazität von 90'000 Tonnen gelagert oder abgepackt. Die Lieferung von Kristallzucker erfolgt für die Industrie lose in Silowagen. Die kleinste Menge wird in Frauenfeld in Säcke von 25 Kilo abgepackt, die grösste Menge in solche von 1000 kg. Die Würfelzucker und Zuckersachets für Cafés und Restaurants werden dann später erst in Rupperswil separat hergestellt. Die entzuckerten Schnitzel werden noch verkleinert und anschliessend den Bauern offen, in Säcken oder in grossen grünen Ballen als Tierfutter abgegeben. Jährlich fallen in den beiden Fabriken rund 60'000 Tonnen Rübenwascherde, 50'000 Tonnen Kalk und andere Entsorgungsprodukte an. Diese werden durch die RICOTER Erdaufbereitung AG in den zwei Betrieben umweltfreundlich verwertet. So entstehen Blumen- und Pflanzenerde für den Garten, Bodenverbesserer, Spezialerden sowie RICO-KALK als Düngekalk für die Landwirtschaft.

Nach zwei Stunden wurden wir, voll gepackt mit vielen interessanten Eindrücken über die aufwendige Zuckerherstellung, noch mit einem sinnvollen Geschenk (1 kg Zucker und Flüssigzucker) verabschiedet.

Besten Dank dem Verantwortlichen, unserem Kollegen aus Frauenfeld Hansruedi Zurlinden, für die Organisation dieser eindrücklichen und äusserst interessanten Exkursion.

René Thurnheer

zaf01.jpg zaf02.jpg

Tausende Tonnen von Zuckerrüben werden täglich angeliefert. Mit Wasser werden sie durch einen Kanal in die Verarbeitung geschwemmt.

zaf03.jpg zaf04.jpg

Kundige Führer erklärten den Mitgliedern der alten Garde, wie aus dem Rohprodukt durch viele Verarbeitungsschritte Zucker entsteht. In einem riesigen Rührwerk werden die Rüben von der anhaftenden Erde befreit.

zaf05.jpg zaf06.jpg

Die Erde wird recycliert und gelangt durch die Tochterunternehmung Ricoter als Blumenerde in den Handel. Ein grosser Teil der Zuckkerrüben rollt auf dem Schienenweg an.

zaf07.JPG zaf08.jpg

Was ebenfalls aus dem Rübenacker den Weg in die Zuckerfabrik findet, tut den Messern, welche die Rüben zu Frites-Grösse zerhacken, alles andere als gut. Und dazu werden Tonnen von Steinen aussortiert, die dann von einem Schotterwerk zu Kies verarbeitet werden.

zaf09.jpg